Sitzsatz / Buchbesprechung
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Please press Play on your parrot! (Keine Hängematte bei Robinson Crusoe)

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Sitzsatz:

All the while I was at work, I diverted myself with talking to my parrot and teaching him to speak, and I quickly learned him to know his own name, and at last to speak it out pretty loud, ‚Poll‘, which was the first word I ever heard spoken on the island by any mouth but my own.

Mein Sitzsenf:

Cover von "Robinson Crusoe"

Robinson Crusoe

Hier sitzen wir auf dem Quasi-Ursprung aller Sitzsätze, einem der ersten Romane überhaupt. Und der steht dann ausgerechnet auf einer einsamen Insel. Jaja, weißer Strand, aber nach über 2 Jahren liegt selbst der blöd bremsend im Gemütsgetriebe von … Robinson Crusoe. Da ist nix mit gemütlich in der Hängematte chillen, dieser Sitzsatz steht am Rande des Wahnsinns und musste vom Protagonisten handgefertigt werden.

Zur Regenzeit sitzt Robinson dann nicht nur auf der Insel an sich fest, sondern ist zusätzlich in seiner Hütte gefangen. Drei Monate lang gibt er sich dann mal wieder seinem größten Fulltime-Job hin, nämlich, ein schwimmendes Objekt zu bauen. Währenddessen besteht seine einzige Gesellschaft aus einem gefiederten Aufnahmegerät: dem Papagei Poll (Poll! Das ist circa so originell, wie seinen Hund „Fifi“ oder seine Katze „Miez“ zu nennen. But then again, im 18. Jahrhundert war es vielleicht wirklich noch originell, besonders, wenn man verschollen war, und somit ohne andere Haushalte mit Käfigbewohnern namens Poll lebte … Doch dies nur am tierischen Rande der Sitzsatzinsel). Eines Tages gibt Poll also Robinsons Worte wieder, die ersten, die er auf der Insel „gesprochen“ hört, aus einem „Mund“, der nicht seiner war. Genaugenommen haben Robinsons Worte aber nichts als einen kleinen Rundwanderweg zurückgelegt: “Please press Play on your parrot Poll.” Wer war zuerst da: das Wort oder der Papagei?

Immer, wenn ich an dieser Stelle des fiktiven Tagebuchs andocke, passiert Folgendes: Mein Kopfkino-Robinson verliert seine verfilzten Zottelhaare und aus seiner ungewaschenen Haut wachsen grüne Federn; er bekommt den „Mund“, auf den er sich zuvor bezogen hat: einen orangen Schnabel. Also: JETZT! Flieg davon, Robinson, flieh, Vogel!

Das A&O:

Tatsächlich hat es 26 Jahre gebraucht, bis ich beim „echten“ Robinson Crusoe angekommen bin, ­– keine Kinderversion oder TV-adaptiertes Actionszenario. Ich gebe zu, dass es mich selbst überrascht hat: but it really was a good read! Und wer mal Anglistik-Hausarbeiten schreiben muss –> hier gibt’s wissenschaftlichen Analysestoff so weit der Inselhorizont reicht!

Wo steht der Sitzsatz?

Robinson Crusoe von Daniel Defoe (von 1719).
Meine Version: Wordsworth Classics // ISBN: 978-185326-045-2

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Diese Insel ist eine Lesereise wert. Und nur, wer sich einmal mit Robinson durch das Original geschlagen hat (egal, ob auf Deutsch oder Englisch), kann danach auch die vielen amüsanten Robinsonaden genießen und dort auf weitere einladende Sitzsätze hüpfen.

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Kategorie: Sitzsatz / Buchbesprechung

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Sitzsatz: Bin Buchmensch und mache beruflich "was mit Internet". Blogplatz: Rhein-Main-Gebiet. Zusatz: thisiswhataqueerfeministlookslike!// Kurz-Link: das A&O erwischt ihr noch auf Twitter.// Kurz-Bitte: Schreib mir doch einen kleingroßen Kommentar, es wird gleich nach Freischaltung sichtbar. Mach's dir gemütlich!

1 Kommentare

  1. Hajimemashite Alexandra.
    Meine erste Begegnung war mit einer gekürzten Reclam-Ausgabe zu seiner Zeit – in ergiebig jungen Jahren. Und den damaligen Knaben faszinierte in Besonderheit die jeweilige Einkaufstour zum Wrack hin. Da besah ich die wertvollen Vorräte als die meinen.
    Toll auch Robinsons Exkursionen. Und dann der Fußabdruck im Sand…

    Gibt ja einiges an Hintergrund inzwischen, wodurch Dafoe an seinem Crusoe strandete.

    bonté

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