Lesungen und Vorträge, Wortwiese / Prosatexte und Wortspielerei
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Literarische Salons in Stuttgart: 5 Sitzsatz-Fragen an Elisbaeth Weller

Blick durch die offene Tür in den Konferenzsaal des Literaturhaus Stuttgart

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Lesekreis wanted! Literatur macht’s sich im Salon gemütlich

Robert-Bosch-Zimmer mit verdunkeltem Blick auf die Liederhalle

Das, was ihr aus dem Fenster nicht erkennen könnt, ist die Stuttgarter Liederhalle :)

Es klingklangklung in vergangenen Beiträgen ja schon hier und da an: das A&O hat eine literaturwissenschaftliche Vergangenheit. Universitärer Art. Deren Abschluss ist nun schon unglaubliche fünf Jahre her! Habe mich danach noch eine Weile mit einem selbst geleiteten Literaturkreis zu Englischer Frauenliteratur über dem interpretierlustigen Wortwasser gehalten (Verlinkung funktioniert noch, auch wenn’s dann etwas zerschossen aussieht ;) ). Dann kam eine Weile Verlagsarbeit mit gaaaaanz viel Teenie-zielgerichteten Fantasybüchern, gefolgt vom Komplett-Switch nach Stuttgart.

Da war ich nun, vor der virtuellen Haustür zwar viele Blogs lesefroher (nicht -wütiger) Menschen, aber einem leeren Ort an der Stelle, den zuvor die schönen (!) Uniseminare füllten. Dort, wo man Bücher nicht nur las und fühlte, sondern auch auseinander nahm:

  • Lesebrillen aufzog, die z. B. gewisse Lesarten scharfstellten,
  • Symbole sammelte, um aus ihnen eine Bedeutungsdecke zu weben und
  • dem Klang und der Wirkung von Worten ausrollende Aufmerksamkeit schenkte.

Ihr glaubt gar nicht, was man dann von zwischen den Zeilen zu Tage fördert. Es steht die ganze Zeit da, aber nur mit der besonderen Lesezeit, und indem man in einer Gruppe ein Satzsuchtrupp-Erlebnis teilt, wird es sichtbar, erlebbar. Puh, was sich nun wie ein Manifest zur Literaturanalyse dahertrabt will euch eigentlich nur eines sagen: Dieses Leseerlebnis hat mir gefehlt. Und gerade, als ich dachte, es gäbe “nur” Lesekreise, in denen man “nur” den Inhalt und Empfindungen bespricht (keineswegs abwertend gemeint. Nur eben nicht mein Platz), da habe ich ihn doch gefunden: den richtigen Ort. (Übrigens durch einen Tipp der Schiller Buchhandlung! Many thanx! :)) Das ist der Literarische Salon von Elisabeth Weller, der semesterweise im Literaturhaus Stuttgart stattfindet.

Zum Beginn des aktuellen Semesters habe ich Elisabeth Weller 5 Sitzsatz-Fragen gestellt. Elisabeth leitet die Salons. Lese(an)leitung mit Literaturliebe. Lesepower über und zwischen den Zeilen. Das sind ihre Antworten. Tausend Dank dafür :)

5 Sitzsatz-Fragen an Elisabeth Weller

Was ist deine Philosophie beim Interpretieren von Literatur? Und wie bringst du die in deinen Kursen unter?

Lesen Sie gründlich, liebkosen Sie die Details von Vladimir Nabokov ist mein Leitspruch. Das lohnt sich naturgemäß nur bei wertvollen Texten, die ich aus dem Dschungel der Novitäten und dem Labyrinth der Klassiker aufspüre – mit Feinschmeckereifer. Gründlich meint das genaue Gegenteil von Zerstreuung suchendem, Finale-versessenem Lesen. Da hilft das am schönen Wort und Klang klebende vor-Lesen, das quasi ein Nahsinn-Qualifizierungprogramm ist.

An welches Semester erinnerst du dich besonders gerne und warum?

Portrait von Elisabeth Weller, Leiterin der Literarischen Salons

Power über und zwischen den Zeilen: Elisabeth Weller! (Danke für die Bereitstellung des Fotos!)

Nach nunmehr fünfzehn Semestern erinnere ich mich gerne an das zehnte Semester, an dessen Ende ich ein Salonfest veranstaltete auf dem die Teilnehmenden der Salons, zu der Zeit waren es 99 an der Zahl, als literarische Figuren gekleidet erschienen, die ihnen in den vorangegangen Semestern ans Herz gewachsen waren. Einer kam als Pfarrer mit dem schwarzen Schleier (Nathaniel Hawthorne), eine als Dame mit Hündchen (Anton Chechov). Der große Gatsby, ein Schmetterling und ein wandelndes Symbolelexikon waren gleichfalls erschienen.

Unter welchen Gesichtspunkten liest du mögliche Leselisten für deine Kurse aus?

Nicht das, was geht, sondern bleibt, interessiert mich. Also: Handelt es sich um ein Sprachkunstwerk? Die Sprache ist der Wertstoff, der den Text faltenfrei, taufrisch erhält, Relevanz garantiert bis zum Sanktnimmerleinstag.

Wie viele Bücher besitzt du selbst und wie sortierst du sie in deinem Bücherregal?

Mit meinem kleinen Buchregal habe ich schon viele enttäuscht. Ich sortiere platzsparend aus! Nur was ich wieder lesen will, das bleibt. Wofür gibt es das naheliegende Mekka Landesbibliothek? Ich will ein Buch lesen, nicht besitzen können. Vielleicht 1000 Bücher – nach dem jeweiligen Sprachraum der/des Dichtenden chronologisch sortiert – besitze ich mit meinem Lebensgefährten zusammen.

Waswannwo waren die Anfänge deiner Salons?

Rahel Varnhagens und Gertrude Steins Salons waren lange schon in meinem Kopf beheimatet, als ich 2006, nach bereits 16 Jahren Erfahrung als Literaturvermittlerin in der Erwachsenenbildung, wagte, im Literaturhaus ins Stuttgart mit zwei literarischen Salons zu starten. Nach dem “Funkenflug”-Artikel wurden sie zwei Semester später auf sechs Salons befeuert.


Hier geht es zur Homepage von Elisabeth Weller und den aktuellen Terminen der Literarischen Salons in Stuttgart!


Na, ist der Funke zu euch rübergeflogen? Welche Art Lesekreis macht euch Spaß? Oder warum ist es vielleicht überhaupt nichts für euch? Gespannt auf eine Runde Antworten grüßt das A&O

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2 Kommentare

  1. Hajimemashite Alexandra.
    Es gibt ja das cineastische Bonmot vom “Symbolismus in den symbolfreien Szenen”. Nur in spitziger Ironie jetzt reminisziert, denn ich kenne das ungesagt Verborgene auch vom Film her. Eingedenk allein schon wegen meiner Schwäche, mir Filme öfter als nur mehrmals anzusehen. Zudem liebe ich es ja eine Geschichte (von Shakespeare, Stevenson, Cooper ect. ) auf der historischen Weide zu beäugen. Literaturwissenschaftlich – nope! Lediglich als lesender, sehender Laie. Bin “lediglich” von mittlerer Reife beschienen worden. :-)

    ad primo
    Allesleser, der ich bin, hebele ich wenig zwischen hochansprechender Literatur & unterhaltsamem Lesestoff auseinander. Das geht (bei) mir von Terézia Mora bis zum Heftroman. Dabei ödet mich ein Fuhrwerk verkopftes Leerstroh ähnlich an wie eine mies erzählte Pulp-Story.

    ad secundo
    Leser in Gewandung – feine Idee. Und mir scheint, daß E-Connaisseures & U-Fans nicht unweit von einander parken.

    ad tertio
    Wobei sich die Sprache an sich doch ändert. Ab einer Distanz wird sie zum Rahmen ihrer Zeit. Wohl mit der große Reiz von Jane Austen oder obigem William.

    ad quatro
    Das könnte man/frau auch als “ausgelagerte” Bibliothek interpretieren… ;-)

    Sieht so aus als würde ich für mich die Form eines “Lesekreises light” bemühen. Indem ich von Blog zu Blog kommentiere; nicht selten über das gleiche Buch. Eine sehr digitale Form, aber auch Kommunikation.

    Doch dezent verinnert mich das Interieur im Literaturhaus an ‘Doktor Seltsam…’
    ;-)

    bonté

    • das A&O sagt

      Verehrter Topp-Kommentator of mine,

      es wird der Tag kommen, an dem deine Zeichenanzahl im Anhang meine Zeilenlänge im Hauptteil übertippen wird :)
      Sub-Blog auf dem Satzsitz, das sind die (nämlich deine) Kommentare, die es sich ganz besonder s gemütlich machen, so ist’s recht. Und nichts andres ist das, was rauskommt, wenn das literaturgemütliche Laien-Leseherz (nicht zu verwechseln mit Lion Löwenherz) liest und denkt. Muss keine “Wissenschaft” dranstehn, ist dasselbe Ergebnis (nur ohne oder mit andern Fremdworten vielelicht *g* Und fremde Worte sind bekanntlich nichts im Vergleich zu eigenen Gedanken.).

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