Ausstellungen und Ausflüge, Lesungen und Vorträge, Sitzsatz / Buchbesprechung
Kommentare 11

Buch-Bistro EXTRA und Treffen der Buchblogs in Stuttgart

ein Tisch voller Fingerfood vor einem Bücherregal: das Buch Bistro bei Schillerbuch

Flattr this!

Zwei Buchveranstaltungen: im Gespräch und in Aktion

An den vergangenen zwei Tagen war ich auf zwei verschiedenen buchthematischen Veranstaltungen:

  • Am Freitag fand das Buch-Bistro EXTRA in der Schiller Buchhandlung Vaihingen statt. Diskussionsthema: An einem Strang – Schriftsteller für Buchhändler.Definiert in drei Satz-Häppchen:
    • Wortstarke Diskussionsrunde mit drei Kurzlesungen
    • Schmackhaftes Buffet in bestem Bücherambiente
    • zahlreiche Büchermenschen der überwiegend analogen Kultur
  •  

  • und am Samstag war ich auf dem Blogger- und Bücherfreundetreffen in Stuttgart, organisiert von Ankas Buchbgeblubber.

    Definiert in drei Satz-Häppchen:

    • Bunte Kennenlernrunde vor der großen Buchhandlung Wittwer
    • Spontanes Signieren in der Fußgängerzone und Autorenstunde im Kaufhof
    • über 30 Buchbloggerinnen und AutorInnen mitten aus der digitalen Welt

 

Ihr spürt es vielleicht bereits: Nicht nur chronologisch, sondern auch thematisch bauen beide Buchverstaltungen aufeinander auf. Gemäß der blogeigenen Philosophie werde ich euch nun in ausgewählten Sitzsätzen von ersterer berichten und dazu jeweils ein Spotlight der zweiten anhängen. Der Fokus soll auf dem unschuldigen Wort Internet liegen, das sich erst zwischen den Zeilen zur vollen Netzkraft ausrollt.

Sitzätze von Michael Kleeberg, Schriftsteller und Übersetzer

Zur Situation des stationären Buchhandels (von das A&0 frei aufgeschnappt und ebenso frei zusammengesetzt):

Das Kriterium für eine großartige Buchhandlung? Wenn ich mit einem Buch herausgehe, das ich niemals beabsichtigt hätte zu kaufen. Dahinter steht eine tolle Beratung. Genau diese Grundlagen fehlen bei den großen Ketten. Dort erfährt man nur grenzenlose Gleichheit.

Zu seiner Entscheidung, nicht aktiv an Social Media Kanälen jedweder Art teilzunehmen:

Ich persönlich möchte den Strahl von Geplapper, den das Internet bietet, nicht noch vergrößern. Die Art, wie ich wahrgenommen werde, das habe ich beschlossen, sollen meine Bücher sein.

Spotlight aus dem Bloggerinnentreffen

Geplappert wurde gestern viel, oh ja. Geplappert wird auch die nächsten Tage, wenn ein jede ins Blogheim zurückgekehrte Bloggerin ihre Eindrücke und Erinnerungen dort niederschreibt. Dann wird es Links regnen, zu den alten und neuen Blogfreundinnen und zu den Seiten der “blogosphärischen” AutorInnen. Kein Beitrag wird nach Feuilleton riechen oder stark journalistisch gewürzt sein. Was dort entsteht sind persönliche Bilderbücher, Fotoalben, Freundschaftsbücher. (Berichte gibt’s schon von tealicious und Biblio Fantastica.) Die kommen weit herum, werden viel angeschaut. Mit eigener Verknüpfung fällt man nicht durch’s Netz. Negative Konnotation Netz: Man kann darin gefangen werden. Aber: Das Netz hat genauso wenig nur zwei Seiten, wie ein E-Book.

Sitzätze von Catalin Dorian Florescu, freier Schriftsteller

Über die Erfahrung, die er auf einem Literaturfestival in der Schweiz gemacht hat:

Man saß als Autor an 80cm Tischfläche und versuchte die Aufmerksamkeit der flanierenden Besuchermassen zu erwecken. Als erfahrener Autor fühlte ich mich in meine Debütantenzeit zurückversetzt. Auf diese Wiese wird der Autor zum Verkäufer gemacht. Es gewinnt, wer seine vielstimmige Kunst am lautesten anpreisen kann.

Rückfrage zu Twitter:

140 Zeilen oder Zeichen?!

Spotlight aus dem Bloggerinnentreffen

Programm-Mittelpunkt des Treffens war die Autorenstunde im Kaufhof, bei der Thomas Thiemeyer Einblick in seinen Autorenalltag und Ausblick auf seine, in jedem Sinne, fantastischen Malereien bot. Zudem gab es ein Gewinnspiel, bei dem Charlouise den ersten Platz abräumte. Das A&O saß als Beobachterin (und nicht Fantasy-Leserin) mitten unter den Fans, die sich sämtliche Ausgaben, neu erworbene Bücher, stapelweise Autogrammkarten und gerade gewonnenene Taschen signieren ließen. Von lesemüder Jugend keine Spur ;) Allerdings auch weit und breit keine Person ohne Facebook Account und eigener (Blog)Seite. Medienkonkurrenz und Verarmung der persönlichen Kontakte? Medienverschmelzung und Erweiterung der Peergroup!
P.S. : Übrigens haben alle Fans bedauert, dass die Autorenstunde nicht in einer echten Buchhandlung ausgerichtet wurde.

Sitzätze von Jan Koneffke, Lyriker und Romancier

Zur Situation des stationären Buchhandels (von das A&0 frei aufgeschnappt und ebenso frei zusammengesetzt):

Verschiedenes ist gut, Monopolbildung ist gefährlich. In manchen Ketten werden regelrechte “Erpressergeschäfte” abgeschlossen: Verlage, die am meisten zahlen, bekommen den Auslageplatz neben der Rolltreppe.

Zu seiner Entscheidung, keine eigene Internetpräsenz zu haben:

Für mich ist das inkompatibel: Schriftsteller zu sein und am virtuellen Informationsfluss teilzunehmen. Ich bin am radikalsten von uns dreien, ich habe nicht einmal eine eigene Homepage.

Spotlight aus dem Blogerinnentreffen

Insgesammt 5 AutorInnen waren beim Treffen mittendrin statt nur dabei: Thomas Thiemeyer, Rainer Wekwerth, Christine Spindler (Tina Zang), Uwe Laub und Sina Beerwald. Mittendrin in der Kennenlernen auf der Stuttgarter Königstraße (die wir so dermaßen verstopft haben, dass nicht einmal der Regen noch durchkam), mittendrin im abschließenden Brauhausbesuch und mittendrin in der “Blogszene”, die sich dort aus der digitalen Welt in Stuttgarts Zentrum heruntergeladen hatte. Es war beeindruckend zu sehen, wie die (wirklich erfolgreichen SchriftstellerInnen mit namhaften Verlagen) dort plauderten und Personen sofort ihren Blogs zuordnen konnten. Man war einander bekannt, per du und einfach eine Gruppe.

So bleiben Bücher im Gespräch. Auf vielfach verlinkte Weise digital. Und analog. Wer war nun zuerst da: digitales Ei oder analoge Henne? Fest steht: Ohne das Internet hätten ihre dabei entstandenen Freundschaften kein Gehege.


Das A&O

Vor dem Bücherregal am Buffet: vierreckige, bunte Törtchen für das Buch-Bistro EXTRA

Mehrstöckige Lese- und Schnabulier-Leckereien im Buch-Bistro EXTRA

Pfuh. Buchstabenschwere Sitzsätze. Es ist tatsächlich schwer, nicht zu polemisieren, provozieren, sobald es um den mitunter zwistvollen Zusammenhang von “E-Books, Buchhandlungen, Autorinnen und Internet” geht. Natürlich wurde das in der Diskussion des Buch-Bistro EXTRAS bewusst getan, natürlich hat es auch das A&O in diesem Beitrag getan. Während am Freitag jedoch intellektuell diskutiert, Entwicklungen bedacht und bedauert wurden, erschien der Samstag als leichtfüßige Verstreuung all der geäußerten Sorgen. Da zeigte sich, was in der Kombination aus lesehungrigen Personen (von Teenie-Alter bis … also, deutlich darüber ;) ), die sowohl ihre Buchhandlungen vor Ort lieben als auch im Internet zuhause sind, zauberhaft Zukunftsträchtiges entstehen kann.

Eine Buchhandlung, die einer vor Ideen und Internetaccounts sprudelnden Susanne Martin gehört, kann sowieso nie langweilig werden. Danke an sie, für das wirklich tolle und disussionstoff liefernde Buch-Bistro EXTRA und danke Anka für die personifizierte Vernetzung der bunten Blogs! Und wen ich auf keinen Fall vergessen mag, ist Wolfgang Tischer, Moderator des Buch-Bistros und Herausgeber des Literaturcafes.


Noch jemand da? Bis zum bitteren Ende? Mein Kopf ist leergeschrieben, freut sich aber über jede Tippzeile von euch. Schlagworte: Internet, Buchblogs, Buchhandlungen, böses Amazon und … Buffet :) Es gibt frei die Wortarena: das A&O P. S: Viele Bilder hat Sharon Baker beim Bloggerinnentreffen gemacht. Sie und ihre Katzen sind immer einen Besuch wert ;)

Print Friendly

11 Kommentare

  1. Bonsoir, Alexandra.
    Grundsätzlich wohl ist das Net das was man/frau daraus formt. Der Stein, der Teil eines Hauses wird. Oder der Stein, der schweißvoll Erbautes rastlos zerstört.
    Hmmm…laß mich Dein “weit und breit” eine Dezens relativieren – ich bin nicht gesichtsbucht, habe keinen Blog und fliege auch sonst so weit unter dem Radar, wie es mir möglich bleibt. Möglich bleibt, um mit anderen meine Worte einzutauschen.

    Eine Assoziation mit “bitterem Ende” klingelte jetzt bei mir nicht wirklich an. Um den machthungrigen Caesar zu variieren: Ich las, flashte back, warf die Denkerei in Variation und schrieb Dir.
    Ansonsten!?…
    Blau ist meine Farbe. :-)
    bonté

  2. Hallo Alexandra,

    da ist mir doch tatsächlich eine Autorin durch die Lappen gegangen … ;-)
    Und ich bin jetzt kunterbunt verwirrt – dein Bericht ist tatsächlich mal was anderes.

    Auf ein Wiedersehen (sowohl digital als auch analog),
    Melanie

    • das A&O sagt

      Uhja, hoffentlich bis bald. Können uns ja anfunken, wenn es einen besonders guten “Anlass” gibt (siehe obige Veranstaltungen oder Ähnliches oder ganz anderes ;) )

  3. Liebe A & O,
    vielen Dank für diesen wahnsinnig interessanten und toll formulierten Beitrag. Ich habe ihn gern gelesen und stellenweise gern geschmunzelt.
    Wie schön, dass du dabei und Teil der bunten Vernetzung warst. Es war toll dich kennenzulernen.
    Bis bald, liebe Grüße aus der Blogoshäre :)
    Anka

  4. Dank deines Beitrags hatte ich das Gefühl, dabeigewesen zu sein :D. Danke für die anschaulich gesetzten Sätze!
    Und wenn ich erst Autorin bin… werde ich sagen, dass Vernetzung alles ist und ich darum das Internet für etwas Tolles halte! Ohne hätte ich nie so viel über das Schreiben gelernt und wäre nicht dort, wo ich jetzt bin.

    • das A&O sagt

      Yap, Weltenschmiede im www ist auch noch mal ein sehr gutes Beispiel!!! :)
      Im Extremfall gibt es eben immer zwei (weit) auseinanderliegende Pole und dazwischen viel verknüpfenden Redestoff, der beide (in welche Richtung auch immer) vielleicht zusammenziehen, zumindest verbinden kann. Ich freue mich schon auf die bekannte Feuerblut-Autorin, die meinen Blog mit so lieben Kommentaren ehrte <3

  5. Hallo auf der Suche nach Gleichgesinnten bin ich auf diesen Beitrag gestoßen.
    Ich finde es wunderbar, wenn sich Buchläden selbst Online präsentieren. Ich finde, um etwas gegen die Monopolisten zu unternehmen, müssen sich alle, zumindest möglichst viele, vernetzen. Ich möchte ein gemeinsames Portal, in dem die potentiellen KäuferInnen online einkaufen können. Online-Kauf, auch von Büchern wird nicht mehr verschwinden. Deshalb ist es richtig, dies selbst auch zu tun. Meine Idee ist, dass der Verkauf eines Buches, dem Buchladen um die Ecke zu gute kommt, um die Ecke der Käuferin oder des Käufers.
    Das Portal soll sich selbst tragen, ohne externe Werbung (Werbung macht nur immer der Buchladen “um die Ecke”), ohne Gewinne, soll genossenschaftlich organisiert sein, das heißt, dass alle beteiligten Buchläden Miteigentümer wären.
    Noch sind wir nur zu zweit, das langt ich, wir brauchen noch Buchläden, Verlage, den Börsenverein(?), Menschen (Heldinnen und Helden) die mitmachen ;)
    Viele Grüße
    Eberhard

  6. das A&O sagt

    Wow, danke für euer ausführliches Feedback, alle! Daran merkt man’s auch schon: Die Kombi Buchhandlungen-Internethandel-ebooks-AutorInnenalltag kann eine angespannte sein, zumindest eine, zu der es viele Standpunkte, Handlungsmöglichkeiten und Diskussionsbedarf gibt. Bin jedenfalls sehr froh, bei beiden Veranstaltungen in Stuttgart einen Sitzplatz gehabt zu haben (ihr wisst schon, im übertragenen Sitzsatz-Sinne) und euch nun weiter darüber diskutieren zu sehen. Viel Erfolg auch an Eberhard bei der Zusammenarbeit mit Heldinnen und Helden an dem herzvoll formulierten Projekt!

  7. Das klingt nach zwei ganz äußerst froschsprung-würdigen Ereignissen! Vielen Dank für Spotlights, Bilder und Sitzätze. Da hat man doch (fast) Das Gefühl dabei gewesen zu sein und die kleinen Häppchen hätten sich bestimmt gut gemacht auf der Froschzunge ;)
    Aber auch inhaltlich scheint mir beides gehalt- und geschmackvoll gewesen zu sein und gerade hern Kleebergs Sitzatz finde ich ganz großartig. Recht hat er!

    Liebe Grüße und ein Schönes-Wochenende-Blubbern vom Teichrand,
    Kermit

  8. Haha, das ist ja mal originell! :)

    Ein paar treffende Zusammenfassungen, ich habe mich nicht so kurz halten können ;-) !
    Für mich war es einfach ein UNGLAUBLICHER Tag.
    Schön war auch, dich und deine coole Postkartenidee kennenzulernen.
    Alles Liebe,
    Charlousie

    • das A&O sagt

      Jetzt ist Wochenende. EIN Wochenende reicht doch, um deinen Bericht zu lesen ;) Ich geh mal schauen …

      Uuuuund ich fahr doch zur Buchmesse. Falls du also jemals aus deinem coolen und cool gewonnen VIP-Bereich hervorkommst, könnte man sich treffen :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.